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Festakt zur 100-Jahr-Feier
unseres Schulgebäudes
Am 13. Mai lud die Geschwister-Scholl-Schule
zahlreiche Gäste zum 100. Geburtstag ihres Schulgebäudes ein. Rund 120
Personen folgten dieser Einladung. Vertreten waren nicht nur die Stadt, die
Kirche, die Politik, die Wirtschaft und die Schulbehörden, auch viele
ehemalige Kolleginnen und Kollegen, Freunde und Förderer der Schule zählten
zu den Ehrengästen. Die aufwändig hergerichtete alte Turnhalle bot den
geeigneten Rahmen für diese Festveranstaltung. Neben der Ansprache der
Schulleiters Dietmar Glas, hielten auch Bürgermeister Alexander Eberl,
Schulrat Reiner Frank und Elternbeiratsvorsitzende Claudia Plaum ein
Grußwort. Den Abschluss der Reden machte Rektor a.D. Dieter Seuß, der den
geschichtlichen Werdegang unserer Schule noch einmal ausführlich und anhand
einer Bilderpräsentation auch anschaulich schilderte. Musikalisch umrahmt
wurde der Festakt durch den Posaunenchor unter Leitung von Dietar Seuß und
den schuleigenen Conga-Gruppen unter Leitung von Ralf Beyer.
Nach den Reden gab es einen kleinen Empfang mit der
Möglichkeit zu vielen netten Gesprächen. Wer noch mehr über unsere Schule
erfahren wollte, konnte sich in die Festschrift vertiefen oder die vielen
ausgestellten Projekte begutachten.
Die Ansprache des Schulleiters:
Verehrte
Gäste,
Geburtstage sind immer ein Grund zum Feiern, besonders dann, wenn sie „rund“
sind und erst recht, wenn sie „dreistellig“ sind, so wie es das Schild über
mir anzeigt. Es wurde übrigens von unseren Fünft- und Sechstklässern selbst
entwickelt und liebevoll gestaltet. Da merkt man, dass auch sie stolz auf
ihre Schule sind. Ein Schulgebäude, das auf eine lückenlose hundertjährige
Geschichte zurückblicken darf, findet man nicht oft. Wir in Schwarzenbach
haben dieses Glück so ein Gebäude zu besitzen und möchten dieses Jubiläum
auch in angemessenem Rahmen mit Ihnen würdigen. Seit 100 Jahren prägt unser
Schulgebäude das Bild unserer Stadt. Wenn es auch anfangs etwas außerhalb
des Zentrums der Stadt lag, so hat es doch im Laufe der Zeit einen Platz im
Zentrum der Herzen vieler Schwarzenbacher gewonnen. Sie sind stolz auf
dieses altehrwürdige Gebäude. Man muss den Architekten von damals noch im
Nachhinein loben, welch ansprechender Entwurf ihm hier gelungen ist.
Als in
den Osterferien meine Frau und ich unsere italienischen Freunde besuchten,
die teilweise auch Lehrkräfte waren, unterhielten wir uns u. a. auch über
unsere Schulen. Wenn Lehrkräfte miteinander plaudern, lässt sich das
natürlich nicht vermeiden. Ich erzählte ihnen von dem Jubiläum, das meine
Schule demnächst feiern wird und zeigte ihnen auch ein Bild von ihr. Sie
sahen es sich aufmerksam an und riefen erfreut: „Tua
scuola sombra comme un castello!“ Ich kann zwar nicht so gut
italienisch, aber diesen Satz habe ich verstanden. Er heißt übersetzt:
„Deine Schule sieht ja aus wie ein Schloss!“ Ich fühlte mich sehr geehrt,
war stolz, fast wie ein kleiner Schlossherr und antwortete natürlich: „Si,
comme un castello.“ Die Italiener haben ein Faible für alte und ehrwürdige
Bauten und ich dachte mir: „Eigentlich haben sie ja recht. Das einzige, was
äußerlich zum Schloss noch fehlt, ist an Stelle des geteerten Schulhofs
vielleicht ein Park mit Springbrunnen und Steinfiguren.“
Unser
Schulgebäude ist wirklich eines der schönsten im gesamten Landkreis und es
ist tadellos in Schuss. Woanders müssen Schulen, die nur halb so alt sind,
wegen Unbrauchbarkeit teilweise oder ganz stillgelegt oder abgerissen und
durch kostspielige Neubauten ersetzt werden. Bei uns genügen hin und wieder
kleinere Renovierungs- und Modernisierungsmaßnahmen. Äußerlich hat sich das
Ensemble in den vergangenen Jahrzehnten kaum verändert. Wie andere
historische Bauten kann auch die Geschwister-Scholl-Schule eine wechselvolle
Geschichte vorweisen. Sie hat zwei Weltkriege unbeschadet überstanden. Sie
hat zahlreiche Schulreformen mitgemacht und sie musste sich im Innern
ständig weiterentwickeln. Sie war Arbeitsstätte für hunderte von Lehrkräften
und Bildungsstätte für Tausende von Schülern. Es gab Zeiten, in denen unsere
Schule aus allen Nähten platzte und Zeiten wie jetzt, in denen keinerlei
Raumnot mehr herrscht. Eines hat sich aber nicht verändert. Sie war immer
ein Ort der Begegnung, der Kommunikation und sie ist für viele Menschen ein
Teil ihrer individuellen Lebensgeschichte und auch ein Stück Heimat
geworden. Das zeigt sich auch alljährlich beim Wiesenfest, wenn ein
Jubiläums-Schülerjahrgang sich hier wieder einmal trifft und über alte
Schulzeiten und alte Lehrer spricht und man die eine oder andere Anekdote
aus dem Unterricht hören kann. Und viele ehemalige Schüler schwärmen von den
alten Schulzeiten.
Natürlich hat sich in den letzten 100 Jahren in der Schule und außerhalb
viel verändert. Der Unterrichtsstil ist ein anderer geworden, denn
schließlich haben sich ja auch die Pädagogik und Didaktik weiterentwickelt.
Aber das Wesentliche ist doch geblieben, nämlich dass Schüler gute
Lehrkräfte brauchen. Ein recht bekannter Mensch hat einmal gesagt: „Lehrer
müssen im Zeitalter der Infobahn zwar anders unterrichten. Das stimmt. Aber
sie werden auch weiterhin benötigt. Die Kinder wollen nicht einfach allein
zu Hause sitzen und am Bildschirm Lernstoff in sich hineinsaugen. Sie
brauchen die Gruppe, sie brauchen den menschlichen Aspekt, sie brauchen den
Lehrer oder die Lehrerin.“ Sie werden es kaum glauben, von wem dieser Spruch
stammt. Er kommt von Bill Gates, allen bekannt als amerikanischer
Software-Unternehmer. Von ihm, so glaube ich, hätte man diesen Spruch am
wenigsten erwartet, aber er hat mit dieser Aussage natürlich recht.
Als ich
vor acht Jahren an diese Schule kam, habe ich ein Kollegium vorgefunden, in
dem die Chemie im Team stimmte, wo nicht jeder sein eigenes Süppchen kochte,
sondern alle zur Weiterentwicklung der Schule und zum Wohle der Schüler
etwas beitragen wollten. Und so ist es auch heute noch, auch wenn wir immer
wieder uns von der einen oder anderen guten Lehrkraft verabschieden mussten.
Das mit der Chemie im Team sage ich nicht nur deshalb so, weil wir in
diesem Jahr auch das internationale Jahr der Chemie haben. Vor 100 Jahren
hat nämlich Marie Curie als erste Frau der Welt den Nobelpreis für Chemie
erhalten. Nein, das mit der Chemie im Team stimmt immer noch, wir haben
immer noch ein Kollegium, das zusammenhält. Auch wenn es zwischenzeitlich
schon etwas in die Jahre gekommen ist, ist es stark genug, die
Herausforderungen, die auf uns zukommen zu bewältigen. Deshalb möchte ich
mich an dieser Stelle auch einmal herzlich bedanken, für die engagierte
Arbeit die nicht nur das aktuelle Kollegium, sondern auch die ehemaligen
Kolleginnen und Kollegen hier geleistet haben.
Eingeschlossen in diesen Dank ist natürlich auch das Hauspersonal, das für
den ausgezeichneten Zustand unserer Schule gesorgt hat und die weiteren
Mitarbeiter in der Jugendsozialarbeit, der Ganztagsbetreuung und den
Vertretern aus der örtlichen Wirtschaft, die uns immer wieder bei der
Betreuung und Ausbildung unserer Schüler tatkräftig unterstützt haben. In
diesem Zusammenhang ist auch die Stadt Schwarzenbach als Sachaufwandsträger
nicht zu vergessen, mit deren Vertretern man problemlos zusammenarbeiten
konnte. Man merkt hier deutlich, dass auch sie stolz auf ihre
Geschwister-Scholl-Schule sind.
Wie
sieht es nun mit der Zukunft unserer Schule aus? Die Hauptschule allgemein
ist ja in den letzten Jahren ins Gerede gekommen. Sie hatte einen
Schülerrückgang zu verkraften, für den sie selbst nicht verantwortlich war.
Die Ursachen hierfür sind im Geburtenrückgang, aber auch in der
Schulstruktur zu suchen. Die Hauptschule sollte einerseits erzieherische
Defizite und Leistungsprobleme bei Schülern lösen, die andere Schularten
anscheinend nicht lösen konnten und andererseits sollte sie den gestiegenen
Ansprüchen der Wirtschaft an qualifizierten Arbeitskräften genügen. Es war
nicht immer leicht, diesen Spagat zu erfüllen. Ich finde aber, wir haben
diese Schwierigkeiten relativ gut gemeistert. Verglichen mit den Zahlen
anderer Schulen, sind bei uns die Versagensquoten sehr gering und der Anteil
der Schüler die einen höherwertigen Schulabschluss erlangen konnten dagegen
relativ hoch.
Wenn im
nächsten Jahr auch noch der etwas negativ behaftete Name „Hauptschule“
abgelegt wird und wir mit einem weiterentwickelten Unterrichtskonzept zur
„Mittelschule“ im Verbund mit den Schulen in Rehau und Oberkotzau werden,
dann, so glaube ich, brauchen wir uns um den Bestand unserer Schule keine
größeren Sorgen mehr machen. Diese Schule wird irgendwann wieder ein
Jubiläum feiern dürfen, aber die meisten von uns werden dann wohl nicht mehr
dabei sein. Deshalb wollen wir uns gemeinsam auf diese 100-Jahrfeier
konzentrieren. Wir freuen uns alle, dass wir sie erleben dürfen und möchten
sie auch ausgiebig mit Ihnen feiern.
Vielen
Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
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